II. Ansätze zur Betrachtung der Gründungs- und Wachstumsprozesse

 

 
 
Wissenschaftliche, gesellschaftliche und individuelle Wirklichkeiten werden dadurch erfunden (konstruiert), daß wir an die vermeintliche "da draußen" objektiv bestehende Wirklichkeit immer mit gewissen Grundannahmen herangehen, die wir für bereits feststehende, "objektive" Aspekte der Wirklichkeit halten, während sie nur die Folgen der Art und Weise sind, in der wir nach der Wirklichkeit suchen. ...Das vermeintlich Gefundene ist ein Erfundenes, dessen Erfinder sich des Aktes seiner Erfindung nicht bewußt ist, sondern sie als etwas von ihm Unabhängiges zu entdecken vermeint und zur Grundlage seines "Wissens" und daher auch seines Handelns macht.
Paul Watzlawick
 
 
 
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Im Rahmen der bisherigen Erforschung des Phänomens "Unternehmensgründung" wurde eine Reihe unterschiedlicher Perspektiven ("Ansätze") entwickelt. Diese sollen hier kurz systematisiert werden. Als Systematisierungskriterium dient die diesen Ansätzen zugrundeliegende Analyseeinheit. Als solche fungieren je nach Ansatz die Person des Gründers und sein unmittelbares Umfeld, das zu gründende Unternehmen oder eine Population. Es können hier prinzipiell drei Ansätze unterschieden werden, nämlich der

 

 

Der Populationsökologie-Ansatz verwendet als Analyseeinheit eine abgrenzbare Population. Gegenstand der Analyse ist der Wandel dieser Population. Der (zeitgerechten) Anpassungsfähigkeit von Unternehmen an sich verändernde Umweltbedingungen wird im Rahmen dieses Ansatzes geringe Bedeutung zugeschrieben, vielmehr vollzieht sich der Wandel hauptsächlich über Gründungen und Schließungen.

Dieser Ansatz eignet sich somit vor allem zu Erklärungen über positive und negative Trends der Gesamtpopulation, weniger jedoch zur Entwicklung von Strategien einzelner Unternehmen.

 

Der Gründungsmanagement-Ansätze stellen das zu gründende bzw. das gegründete Unternehmen in den Mittelpunkt. Zwei Aspekte werden zum Gegenstand der Forschung: Merkmale der Umwelt des Gründungsunternehmens und das Gründungsunternehmen selbst. Als verbindendes Element dieser beiden Aspekte fungiert die Gründungsstrategie, die einen zentralen Stellenwert bei den Erklärungsbemühungen dieser Ansätze einnimmt. Als beispielhafte Vertreter dieser Gruppe sind hier der Transaktionskosten-Ansatz und der Netzwerk-Ansatz zu betrachten.

Beide eignen sich sowohl zum Betrachten von Gründungsstrategien als auch von Wachstumsstrategien von Unternehmen.

 

Der eigenschaftsorientierte Ansatz weist der Person des Gründers einen zentralen Stellenwert im Rahmen einer Theorie der Unternehmensgründung zu. Als erklärende Variablen fungieren sowohl Persönlichkeitsdispositionen und Soziodemographia als auch Merkmale des unmittelbaren Umfeldes der Gründer. Das besondere Interesse an der Person des Gründers liegt darin begründet, daß er in der Regel die Rollen des Planers, Organisators und Kontrolleurs in sich vereint. Stärken und Schwächen des Gründers werden sich nach dieser Annahme - vor allem bei kleinen Systemen, welche kaum eine arbeitsteilige Führungsstruktur aufweisen - unmittelbar in Stärken und Schwächen des Unternehmens niederschlagen.

 
In dieser Arbeit soll die Gründung und das Wachstum von Architekturbüros aus der Sicht des populationsökologischen Ansatz und des Netzwerk- und Transaktionskostenansatz (als Vertreter der Gründungsmanagement-Ansätze) betrachtet werden. An einigen Stellen wird zwar auf Erkenntnisse der eigenschaftsorientierten Forschungen Bezug genommen, jedoch ist dieser Ansatz nicht Gegenstand dieser Betrachtung.

Dem populationsökologischen Ansatz ist dabei der erste Teil der Arbeit gewidmetr, während der Netzwerk- und Transaktionskostenansatz im zweiten Teil der Arbeit behandelt werden.

 

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