III. Der populationsökologische Ansatz
     
C. Tendenzen des Baumarktes und Prognose der Populationsentwicklung

D. Strategieempfehlungen

E. Zusammenfassung
 
 
 
 

 
 ZURÜCK ZUM INHALT
 
 WEITER MIT PUNKT IV
 
 
 
 

C. Tendenzen des Baumarktes und Prognose der Populationsentwicklung

Leitet man aus der Umsatzentwicklung von Planungsbüros Tendenzen ab, kommt man zu folgenden Einschätzungen.

Bis 1994 kam es zu einem starken Wachstum der Population der mittelgroßen Büros. Der Rückgang dieser Population ab 1994 spricht für ein Freisetzen von gründungsfähigen Mitarbeitern, welche als eine Alternative zur Arbeitslosigkeit die Gründung eines eigenen (kleinen) Büros haben.

Bisher führten Rückgänge der Bautätigkeit immer zu einem stagnierenden Wachstum der Büropopulation. Demzufolge wäre trotz der ab 1999 erwarteten leichten Belebung der gesamtdeutschen Bautätigkeit aus dieser Sicht ein Stagnieren der Gründungsraten zu erwarten.

Bis zu diesem Punkt der Untersuchung wurde immer der Baugesamtmarkt betrachtet. Bei einer Differenzierung des Marktes nach Bausparten ergibt sich ein vielschichtigeres Bild. Die unterschiedliche Entwicklung der Teilmärkte zeigt die folgende Abbildung.

 


Abb. 5: Trendentwicklung der drei großen Bausparten
 

Seit 1990 kommt es hier zu einer starken Verschiebung der Gewichtung der drei großen Bausparten: Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau. Besonders der Wohnungsbau profitiert von dieser Entwicklung. Geht man noch einen Schritt weiter und differenziert die Entwicklung des Wohnungsbaus weiter, so stellt man einen Abschwung im Geschoßwohnungsbau und dafür eine Aufwärtsbewegung beim Bau von Eigenheimen fest.

Die Ursache für ersteres liegt in der Entspannung des Mietwohnungsmarktes, welche vielerorts Vermarktungsprobleme und teilweise Leerstände bei den teuren Neubauwohnungen zur Folge hatte. Dazu kommt die 1996 erfolgte Senkung der Abschreibungssätze für den Mietwohnungsbau und die Unsicherheit über weitere Verschlechterungen unter der neuen Bundesregierung. Diese Wirkungen können auch durch die zu erwartende Zuwanderung und einem weiteren Anstieg der Zahl der Haushalte nicht kompensiert werden.

Entgegengesetzt gestaltet sich der Trend beim Bau von Eigenheimen. Bedingt ist dies zum einen durch das Absinken der Hypothekenzinsen, welche mit etwa 6% um 2 Prozentpunkte unter dem langfristigen Durchschnitt liegen. Ebenfalls ist Beruhigung bei den Grundstückspreisen eingetreten, und die 1996 eingeführte Eigenheimzulage verstärkt die Nachfrage nach kosten- und flächensparenden Reihenhäusern von sogenannten "Schwellenhaushalten". Das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in die staatliche Altersversorgung macht außerdem das mietfreie Wohnen im eigenen Haus in zunehmenden Maße attraktiv.

Wie schon am Beginn dieser Ausführungen erwähnt, ist der Wohnungsbau, und vor allem den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern eine Spezialität der kleinen Architekturbüros. Erleichternd für Gründer tritt hier noch hinzu, daß die notwendigen Koordinationsmaßnahmen für Gebäude dieser Größe auch mit geringerer praktischer Erfahrung zu bewältigen sind.

Somit spricht die Prognose der Entwicklung der Bautätigkeit für einen Anstieg der Population der kleinen Architekturbüros. Da dieser Anstieg nur zum Teil durch eine Schrumpfung der mittelgroßen Büros gedeckt werden kann, wird es zu einer verstärkten Gründertätigkeit in diesem Bereich kommen.

Modernisierungsmaßnahmen am Gebäudebestand, welche in den Jahren stark expansiver Neubautätigkeit zurückgestellt worden waren, werden ebenfalls wieder zunehmen. Zusätzlich stimulierend wirkt hier auch der für 1998 erweiterte Förderkatalog des CO2-Minderungsprogramm aus, welcher auch die Wärmedämmung jüngerer Gebäude und den Einbau neuer Heizungsanlagen fördert. Zudem löst der wieder zunehmende Erwerb von Gebrauchtwohnungen zusätzliche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen aus. Die untenstehende Grafik verdeutlicht die Entwicklung des Roh- und Ausbauvolumen.


Abb. 6: Entwicklung des Roh- und Ausbauvolumens
 

Dies spricht für ein starkes Wachstum der auf diese Aufgaben spezialisierten Population. Da für Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen beim Reagieren auf die vorhandene Bausubstanz ein erhöhtes Maß der Koordination nötig ist, sind Bürostrukturen mit kurzen Informationswegen und hoher örtlicher Nähe zum Bauort bevorteilt. In Ergänzung dazu sollten sie Erfahrungen auf dem Gebiet des Umgangs mit alter Substanz mitbringen.

Das idealtypische Büro ist hier klein bis mittelgroß und besitzt die Erfahrung, um den hohen Koordinationsaufwand zu leisten. Für die Gründung kommen hier vor allem erfahrene Aussteiger aus mittelgroßen Büros mit der entsprechenden Erfahrung in Betracht. Jedoch ist auch zu erwarten, daß viele bestehende mittelgroße Büros mit dem Wegbrechen ihrer angestammten Märkte und der zunehmenden Konkurrenz der großen Büros sich in diesem Bereich etablieren werden.
 

 ZURÜCK ZUM INHALT
 
D. Strategieempfehlungen
Die Gründung eines Architekturbüros kleiner Größe erscheint aus populations-ökonomischer Sicht durchaus erfolgversprechend. Aufgrund des Alters der Population der Architekturbüros sollten hier auf jeden Fall ressourcenorientierte
K-Strategien verfolgt werden. Weiterhin sollte ein lokalen Markt bearbeitet werden, wobei die Spezialisierung auf einem Gebiet hilfreich ist.

 
Differenziert werden muß bei der Branchenerfahrung der Gründer.

"Unerfahrenere" Gründer sollten dabei eine Hinwendung zu kostensparenden Ein- und Mehrfamilienhäusern anstreben, welche ihr "kreatives" Entwurfspotential mobilisieren, dabei aber noch keine so hohe Koordinationsleistung von ihnen verlangen. Das Wachstumspotential ist hier zwar begrenzt, ermöglicht aber ein durchaus erfolgreiches Verbleiben in dieser Population der kleinen Büros.

Gründern mit höherer praktischer Erfahrung (idealerweise in einem im Ausbaubereich tätigen Büro) ist die Gründung eines Büros mit Spezialisierung auf Um- und Modernisierungsmaßnahmen anzuraten. Hier sollten sie jedoch versuchen, ihre Bürogröße zu erhöhen und in den Bereich der mittelgroßen Büros vorzustoßen. Das hängt auch damit zusammen, daß hier öfter größere Aufträge zu erwarten sind und nur in einer größeren Bürogröße eine angemessene Spezialisierung auf verschiedene Bautypen, ein ausreichender Erfahrungsschatz der Mitarbeiter und auch Skalenerträge durch wiederholtes Arbeiten an ähnlichen Bautypen erreicht werden kann.
 

E. Zusammenfassung
Der populationsökonomische Ansatz erlaubt eine etwas differenzierte Sicht auf das Gründungsgeschehen. Die Ableitung von Strategieempfehlung aus diesem Ansatz gestaltet sich aber in dem Sinne schwierig, da von einer Verallgemeinerung auf ein konkretes Unternehmen geschlossen wird. So kann es regional durchaus zu ganz anderen Gewichtungen der Bausparten und auch der Untersparten des Wohnungsbaus kommen.

Jedoch läßt sich tendenziell sagen, daß vor allem die Populationen der kleinen und die der großen Architekturbüros gute Chancen haben. Während die kleinen (auch regional) sehr spezialisiert, können die großen durch ihre Kompetenz für große Bauvorhaben einen Bedarf besser einschätzen. Mehr in ihrer Größe schwankend und anfällig auf Ausschläge des Baubedarfs sind hingegen die mittelgroßen Büros, welche je nach Konjunkturlage sowohl gegen die Konkurrenz der kleinen und auch der großen Büros zu kämpfen haben. Jedoch bietet die Spezialisierung auf Um- und Ausbau auch in diesem Bereich durchaus gute Chancen.

 ZURÜCK ZUM INHALT
 WEITER MIT PUNKT IV