IV. Gründungsmanagement-Ansätze
B. Know-how als Grundlage des Erfolgs
1. Die Beschaffungsentscheidung des Bauherrn
a) Das Informationsproblem
b) Das wahrgenommende Risiko aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie
(i) Grundlagen
(ii) Wege der Minderung der Risikowahrnehmung
2. Reputation als Informationssubstitut
3. Der Unternehmer Architekt unter transaktionskostentheoretischer Sicht
a) Grundlagen
b) Arten von transaktionskostensenkendem Unternehmertum
c) Der Architekt als transaktionskostensenkender Unternehmer
 
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B. Know-how als Grundlage des Erfolgs

Die Ausführungen zu den Betriebsformen haben gezeigt, daß der Erlangung von Know-how als Grundlage des Being-known-of besondere Bedeutung zukommt.

Diese Bedeutung soll hier unter dem Hintergrund der Beschaffungsentscheidungen des Bauherrn betrachtet und die Möglichkeit des Erwerbs aufgezeigt werden.

1. Die Beschaffungsentscheidung des Bauherrn
a) Das Informationsproblem
Aufgrund der erforderlichen Integrationsleistung zum vom Kunden gewünschten individuellen Produkt erreicht das Leistungsangebot des Architekten in aller Regel eine hochspezifische Leistungsdimension. Leistungsumfang und -inhalt werden dabei erst im Verhandlungsprozeß festgelegt und individuell kontrahiert, so daß der Absatzprozeß dem Fertigungsprozeß zeitlich vorgelagert ist. Auch ist der Erstellungsprozeß des Bauwerks durch eine sukzessive Abfolge hintereinander geschalteter Planungs- und Kaufprozesse von Bauleistungen gekennzeichnet, die eine innere Verbindung aufweisen.

Dies führt zu einer Verunsicherung potentieller Nachfrager, gleichzeitig aber zu der Notwendigkeit für die Nachfrager, die Einschätzung des mit einer Beschaffungsentscheidung verbundenen Risikos anhand anderer, nicht ausschließlich an der Systemleistung orientierter Kriterien vorzunehmen.

b) Das wahrgenommende Risiko aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie
(i) Grundlagen
Die Prinzipal-Agent-Theorie versucht, "das Zusammenspiel rational handelnder Marktteilnehmer und das Zustandekommen von Gleichgewichtslösungen zu erklären". Grundidee dieses Ansatzes ist es, zu analysieren, wie Verträge vor dem Hintergrund von Informationsasymmetrien zwischen zwei potentiellen Kooperationspartnern effizient zu gestalten sind.

Aus der Sicht der Prinzipal-Agent-Theory nehmen beide Partner je nach Lage der Informationsasymmetrie sowohl die Position des Prinzipals (der den anderen für sich handeln läßt) als auch des Agenten (der mit der Handlung Beauftragte) ein.

Die auftretenden Problembereiche dabei sind zum einen die Identifikation spezifischer Informationsasymmetrien, und zum anderen die Entwicklung geeigneter Kooperations- bzw. Transaktionsdesigns (Vertragstypen) zu deren Ausgleich.

Beschaffungsentscheidungen des Bauherrn sind davon geprägt, daß die Qualität der zu erlangenden Güter zum Zeitpunkt der Beschaffungsentscheidung entweder aufgrund fehlender Qualitätsmaßstäbe, der Nicht-Verfügbarkeit von Informationen oder des fehlenden Know-how des Nachfragers nicht beurteilt werden kann.

Da Leistung und Gegenleistung zeitlich auseinanderfallen, resultiert dies für den Bauherrn als früher Leistenden in endogener Unsicherheit bezüglich der Qualität der vom Partner noch zu erbringenden Leistung. Der sukzessive Beschaffungsprozeß führt außerdem zu einem Bindungseffekt an die Leistung des Architekten, bedingt durch die entstehenden Schnittstellen zwischen den zu integrierenden Gütern.

Somit nimmt besonders der Bauherr im Hinblick auf die Transaktion ein spezifisches Risiko wahr, welches sich in der Unsicherheit über die Wahl des richtigen Kooperationspartners abbildet.

(ii) Wege der Minderung der Risikowahrnehmung
Für einen Architekten ist es wichtig, das wahrgenommene Risiko des potentiellen Bauherrn zu mindern, um ihn zur Vergabe des Auftrages zu bewegen.

Grundsätzlich stehen dem Bauherrn zur Risikominderung die Informationsgewinnung und die Informationssubstitution zur Auswahl. Je geringer seine Möglichkeiten sind, ihm zugängliche Informationen über die Qualitätseigenschaften des gewünschten Gutes heranzuziehen, desto mehr gewinnt die Strategie der Informationssubstitution an Bedeutung, d.h. das Heranziehen von Indikatoren, die als Informationssurrogate anstelle differenzierter Urteile zur Qualitätsbeurteilung verwendet werden.

Die Möglichkeiten zur Beschaffung von Informationen zur Beurteilung der Qualität des Leistungsangebotes unterscheiden sich danach, ob die Qualitätseigenschaften der Güter bereits vor der Beschaffung inspiziert werden können (Inspektionsgüter), erst nach Erfahrung mit dem Gebrauch des Gutes beurteilt werden können (Erfahrungsgüter) oder selbst nach Erfahrung mit dem Gut nicht oder nur unbefriedigend beurteilt werden können (Vertrauensgüter).

 

Borschert und Grossekettler weisen darauf hin, daß das Ausmaß der empfundenen Unsicherheit und die Höhe der Informationskosten vom jeweiligen Gütertyp abhängen, wobei Inspektionsgüter die geringsten und Vertrauensgüter die höchsten Informationskosten verursachen.

Die Abbildung verdeutlicht die Abhängigkeiten.

 


Abb.11: Informationskosten und Güterarten
 

Der Zusammenhang zwischen wahrgenommenen Risiko des Bauherrn und der Kompetenz des Architekten soll im folgenden unter Zuhilfenahme der Prinzipal-Agent-Theorie erläutert werden.

2. Reputation als Informationssubstitut
Die prohibitiv hohen Informationskosten hochspezifischer Leistungen machen es für den Bauherrn notwendig, Information durch Erfahrung und Vertrauen zu ersetzen. Auch können bei der Planung eines Bauwerkes viele relevante Teilqualitäten nicht vor Vertragsschluß beurteilt (inspiziert) werden, da der Fertigungsprozeß erst nach dem Vertriebsprozeß beginnt. Nachfrager greifen in diesen Fällen auf Surrogatinformationen für die Leistungsfähigkeit von Anbietern zurück. Insbesondere relevant als Surregatinformation ist die Kompetenz eines Anbieters. Auch leistungsnachweisbezogene Dimensionen wie Referenzanlagen spielen eine Rolle, während unmittelbare Produktmerkmale (Qualität) nur am Rande interessieren.

Mit der Reputation des Anbieters bekommt der Nachfrager einen Pfand in die Hand, mit dem er dem Anbieter bedrohen und dessen Wohlstandssituation gefährden kann. "Der gute Ruf und das Ansehen ist, solange die Reputation unangegriffen besteht, für den Anbieter wertvoll. Reputation ist zwar nicht auf andere übertragbar, aber sie kann von anderen (dem Nachfrager) durch Nachrede vernichtet werden. Bei dieser Perspektive ist es die Funktion von Reputation, die Androhung einer Strafe in die möglichen Designs der Kooperation zwischen Anbieter und Nachfrager einzubeziehen. Indem der Anbieter Reputation aufbaut, ermöglicht er so eine neue Form von Kontrakt."

Dabei ist das Spektrum der möglichen Reputation durch die zentrale Rolle des Architekten im Bauablauf durchaus vielschichtig. Man kann im Rückgriff auf die verschiedenen Planungs- und Bauphasen diese Kompetenzen nach Schwerpunkten ordnen. Auf der Grundlage des Transaktionskostenansatzes soll hier eine Unterscheidung der verschiedenen Kompetenzebenen vorgenommen werden.

3. Der Unternehmer Architekt unter transaktionskostentheoretischer Sicht
a) Grundlagen
Der Transaktionskostenansatz versucht die Entstehung von Unternehmen unter dem Blick auf die Kosten des Produktionsfaktors Organisation zu erklären.

Dabei wird die Wahl zwischen der Organisationsform Markt oder Unternehmen als eine transaktionskostenminimierende Entscheidung gesehen, d.h. unter Betrachtung der anfallenden Such-, Einigungs-, Steuerungs- und Kontrollkosten für eine Übertragung der Verfügungsrechte an einem Gut oder einer Leistung zwischen zwei Marktteilnehmern, bei Beachtung der Häufigkeit dieser Transaktionen.

Marktliche Koordinationsformen sind nach dieser Auffassung effizient in Transaktionssituationen mit geringen Informationsproblemen. Hier können Marktpreise zur weitgehenden Befriedigung von Informationsbedürfnissen beitragen. Sich längerfristig und enger an den Transaktionspartner zu binden, ist nicht notwendig.

Bei zunehmenden Informationsproblemen versagt jedoch der Preismechanismus als marktliches Steuerungs- und Informationsinstrument, so daß man von Marktversagen sprechen kann. Dies ist dann der Fall, wenn die Transaktionssituation schlecht strukturiert ist und Unsicherheit und Komplexität hinsichtlich der zu transferierenden Güter und beteiligten Transaktionspartner hoch sind. Hier entsteht ein small-numbers-Problem, d.h. mit zunehmender Spezifität eines Gutes sinkt die Anzahl potentieller Transaktionspartner.

Unternehmen entstehen nach dieser Theorie immer dann, wenn es gelingt, durch die Schaffung der hierarchischen Form der Unternehmung Transaktionen kostengünstiger abzuwickeln als der Markt.

Dabei wird der Unternehmer im dynamischen Wettbewerbs im Sinne der austrianischen Unternehmertheorie - unter der Betonung des findigen unternehmerischen Elements beim Ausschöpfen von Arbitragemöglichkeiten auf unvollkommenen Märkten - betrachtet.

Die durch seine Tätigkeit eingesparten Transaktionskosten bilden zum einem Teil seinen Profit und kommen zum anderen dem Kunden zugute. Anders formuliert sucht der Kunde den Unternehmer, welcher ihm die maximale Menge an Transaktionskosten des Marktes erspart

b) Arten von transaktionskostensenkendem Unternehmertum
Transaktionskostensenkendes Unternehmertum kann dabei auf drei verschiedenen Ebenen analysiert werden.

Unternehmerische Informationsarbitrageure sammeln und bündeln Wissensfragmente und leiten diese an Bedarfsstellen weiter. Diese Form ist besonders für die Ideengenerierung wichtig und sichert Informationsvorsprünge gegenüber Konkurrenten im dynamischen Wettbewerb.

Die Neukombination von Ressourcen stellt dagegen an den Ressourcenkoordinator besondere Anforderungen. So müssen einerseits ursprünglich prohibitiv hohe Transaktionskosten, die in der Vergangenheit Ideenrealisierungsprozesse verhindert haben, überwunden werden, andererseits die laufenden internen und externen Abwicklungs- und Koordinationsformen, einschließlich der vertraglichen Beziehungen zu den Marktpartnern, möglichst transaktionskostengünstig ausgestaltet werden.

Demgegenüber kompensieren marktarbitragierende Unternehmer Unterschiede in den Austauschpräferenzen von Wirtschaftssubjekten. Sie übernehmen Marktüberbrückungsfunktion, steigern hierdurch die Markttransparenz oder initiieren in einzelnen Fällen sogar neue Märkte. Durch die Koordination von Angebots- und Nachfrageseite senken sie die Transaktionskosten und unterstützen die Diffusion von Innovationen.

c) Der Architekt als transaktionskostensenkender Unternehmer
Der Architekt agiert als Unternehmer zwischen dem Bauherren und der Bauindustrie. Es stellt sich die Frage, inwieweit seine Tätigkeit mit den drei transaktionskostensenkenden Unternehmerfunktionen zu beschreiben ist. Eine Klassifizierung soll hier anhand der in der HOAI verankerten Planungsphasen vorgenommen werden. Dabei sind natürlich in allen Phasen neben der genannten Hauptfunktion die beiden anderen Unternehmerfunktionen auch präsent.

Während der Grundlagenermittlung, der Vorplanung, der Entwurfsplanung und der Genehmigungsplanung kommt es den Bauherren vor allem auf die Ideengenerierung und das Finden von neuen Lösungen an. Hier wird der Architekt vorrangig als Informationsarbitrageur tätig.

Bei der Vorbereitung und der Mitwirkung bei der Vergabe steigert der Architekt die Markttransparenz für den Bauherrn durch das Einholen von vergleichbaren Leistungsversprechen der Baufirmen. Damit erfüllt er in diesen Planungsphasen die Aufgabe des Marktkoordinators

Bei der Ausführungsplanung und der Objekt-(Bau-)überwachung verschiebt sich die Gewichtung vor allem auf die Koordination der beteiligten Planer und Baufirmen, so daß der Architekt primär als Ressourcenkoordinator tätig wird.

Die untenstehenden Abbildung faßt die Funktionen des austrianischen Unternehmers noch einmal zusammen und stellt sie den Leistungen des Architekten gegenüber.

 
 
 
Unternehmertyp
Phasen des 
Innovationsprozesses
Architektenleistungen
(nach HOAI)
 
Informationsarbitrageur
 
Invention
Grundlagenermittlung
Vorplanung
Entwurfsplanung
Genehmigungsplanung
Marktkoordinator
Diffusion
Vorbereitung der Vergabe
Mitwirkung bei der Vergabe
Ressourcenkoordinator
Transformation
Ausführungsplanung
Objekt-(Bau-)überwachung
  Abb. 12: Unternehmertum, Innovationsprozeß und Architektenleisungen
 

Ursprünglich war der Architekt für alle zur Errichtung eines Gebäudes notwendigen Maßnahmen zuständig. Mit der steigender Komplexität der Bauten kam es neben dem vollständigen Verlust von Aufgaben auch zu einer immer weiter schreitenden Spezialisierung von Planungsbüros im Rahmen des Leistungsbild des Architekten.

So bietet zwar auch heute die Mehrzahl der Planungsbüros durchaus alle Leistungsphasen an, jedoch sind oftmals Spezialisierungen auf einzelnen Planungsphasen zu beobachten.

Diese Differenzierung nach Transaktionskostenebenen findet man außerdem auch in der internen Organisation der meisten großen Architekturbüros. Dabei werden oft der Ressourcen- und Marktkoordinator wegen ihrer fachlichen Nähe zu einer Gruppe zusammengefaßt. Diese Einteilung soll in dieser Arbeit beibehalten werden.

Die Unterscheidung nach den Unternehmertypen aus transaktionskostentheoretischer Sicht hat Konsequenzen für die Auswahl des geeigneten Architekten durch den Bauherren unter Betrachtung seines Risikos. So wird er sich zur Erbringung der jeweiligen Leistungsphasen ein darauf spezialisierte Planungsbüro auswählen, welchem er die Erfüllung seiner Anforderungen zutraut.

Aus diesen Auswahlüberlegungen heraus soll nun die Gründung eines Planungsbüros betrachtet werden.
 

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